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Unsere Loge besteht seit 1738 und arbeitet seither mit
einigen kurzen und langen Unterbrechungen. Die bedeutendste begann am 31.06.1935
mit dem vollständigen Verbot der Freimaurerei durch die Nationalsozialisten und dauerte
länger als 56 Jahre über die Zeit der DDR bis sie vorerst als Deputationsloge am Sonnabend den 2. November 1991
wieder belebt wurde. Die Brüder von einst sind über die Zeiten hinweg verstorben, so dass wir die Amtsnachfolge unserer Loge innehaben. Das
Logenarchiv, unsere Identität, wurde von den Nazis beschlagnahmt und von der
ehemaligen UdSSR neben vielen anderen Freimaurerarchiven als Kriegsbeute nach Moskau verbracht. Mitte
der 1950er Jahre kamen sie dann überraschend in die damalige DDR zurück. Ein
großer Teil unseres Archivs war mit dabei, ein anderer verbleibt bis heute in Moskau.
Dieser wurde aber, wie vollständig auch immer, auf Mikrofilm
kopiert welcher sich ebenfalls zusammen mit unseren anderen Archivarien heute im geheimen Staatsarchiv in Berlin Dahlem
befindet. 1883 hat der damalige Archivar, Friedrich Adolph Peuckert, die Geschichte unserer Loge in einem Buch wiedergegeben. Seinen Angaben sei größtes
Vertrauen geschenkt. Er liegt in der Geschichte bedeutend näher als wir und hatte das gesamte, vollständige
Archiv zu seiner Verfügung. Große Ehre kommt im weiteren
einem unserer Mitglieder zu. Karl-Dieter Holz hat das Archiv in mühevoller, zeit- und nervenraubender
Arbeit für uns wieder nutzbar gemacht. Es ist unser wervollster Schatz. Natürlich ist es
wichtig nach vorn zu schauen, den Blick in die Zukunft zu richten und ich möchte das auch nicht
abändern. Doch mit was für Augen wir sehen, wird durch unsere Vergangenheit bestimmt. Sie zu
kennen ist bei der Geschichte unserer Loge von unerläßlicher Priorität. Sie
besteht nicht nur aus all den großen und ehrfürchtigen Namen, die
unsere Loge hervorgebracht hat. Sie besteht aus Höhen und Tiefen, aus Phasen die wir heute gern vergessen möchten, aus
Fall und Wiederauferstehung, aus lebendigem Klein - Klein. Sie hat sich
all die Jahre durch Dick und Dünn behauptet und tut es heute wieder.
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Wir befinden uns am Ende des 17. und
zu Beginn des 18. Jahrhundert. Der dreißigjährige Krieg ist seit einem
halben Jahrhundert vorüber. Friedrich August I. (genannt
August der Starke) wurde 1694 nach dem Tod seines Bruders unerwartet Kurfürst
von Sachsen. Der ihm gegebene Regierungsstil war der Absolutismus, welchen
er jedoch nie vollständig
durchsetzen konnte. Er drängte aber den Einfluss des alteingesessenen
Adels weit zurück, spielte ihn gegeneinander aus und beschnitt
seine Rechte. So ernannte er ohne die Bestätigung der Stände einen
Stadthalter für die Zeit seiner Abwesenheit von 1697 bis 1706. Danach regierte er
mittels eines geheimen Kabinetts. Es wurden neue Ämter geschaffen, aus
denen die alten Strukturen ebenfalls herausgehalten
wurden. Zu alledem kam sein ausschließlich
machtpolitisch motivierter, geheimer Übertritt zum
katholischen Glauben am 1.6.1697 in Baden bei Wien und sein öffentliches
Bekenntnis dazu in Deutsch Piekar desselben Jahres.
Vor allen Dingen dieses erschütterte die sächsischen
Machtstrukturen erheblich und brachte sie ins Wanken. Während
August der Starke die Lage infolge der Blüte von Kunst, Kultur und höfischen
Vergnügungen immer noch sehr gut im Griff hatte,
konnte sein Sohn, Friedrich August II., ab 1733
dieses keinesfalls fortführen. Er war ein Familienmensch und die Politik überforderte ihn
sehr. So beschäftigte er sich
vorwiegend mit seiner Kunstsammlung, hielt Jagdgesellschaften ab oder besuchte
die Oper. Der lustlose Kurfürst übertrug die Regierungsgeschäfte an den polnischen Adligen
Aleksander Jozef Sutkowski. Er und sein schärfster Konkurrent, Heinrich
von Brühl, hatten das alleinige Vortragsrecht beim König. Von Brühl drängte, vom eigenen
Machthunger getrieben, Sutkowski am 15.2.1738 vollständig ab. Noch im
selben Jahr konzentrierte er alle Ämter auf sich, darunter
auch solche, von denen er keinerlei
Fähigkeiten besaß. Heeresführung und ein wirtschaftliches Verständnis waren ihm uneigen. So
zeichnete sich 1748 das finanzielle Desaster ab. Das Militär wurde beinahe halbiert. Dersächsische Adel führte eine öffentliche Kampagne gegen ihn, worauf er einige Staatsangestellte verhaften ließ. Später wurden die Steuern
erhöht, doch die miserable finanzielle
Lage blieb weiterhin bestehen. Preußen erkannte die Chance undbesetzte während des
7jährigen Krieges im September/Oktober 1756 das Land, ohne jegliche Kriegserklärung. Der viel unterbesetzten sächsischen Armee blieb am 16.10.1756 unter Führung des
Grafen von Rutowski nur noch die Kapitulation. Brühls Politik hatte
versagt. Sachsen war 1763 am Ende des Krieges
stark zerstört und wirtschaftlich am Boden. Es hatte den Großteil der preußischen Kriegskosten
bezahlt.
Die Bestrebungen zur Alleinherrschaft August des
Starken, die Unfähigkeit seines Sohnes, die Fehler von Brühls und der damit
verbundene Niedergang Sachsens, vor allem aber die Glaubensproblematik
zum Jahrhundertwechsel waren der Nährboden, auf dem unsere Freimaurerei trotz
päpstlichen Verbotes in den ersten Jahren so vorteilhaft gedeihen konnte.
Die ersten Jahre unserer Loge
Es wird angenommen, das von
Rutowski in Warschau der Freimaurerei beitrat. Dort
gab es bereits 1735 die ersten Freimaurerlogen, die in französischer Gestaltung
arbeiteten. Entsprechend der damaligen Traditionen nahm
er bei seiner Aufnahme einen Ordensnamen an und wurde von seinen Brüdern fortan Chevalier de I'Aigle genannt. Im Jahre 1738 reiste von Rutowski im
Gefolge des Königs von Warschau nach Dresden und gründete hier
zeitnah die Loge Aux trois Aigles (zu den drei Adlern). Die
damaligen Gründungsmitglieder waren:
- von Arnett, geheimer Kriegsrat
- Baron von Albendyll, Generalmajor
- d'Ecombes, Sekretär der französischen Gesandtschaft
- von Suhm, geheimer Kriegsrat
Graf von Rutowski war Meister vom Stuhl und nahm
an diesem Tag die Aspiranten:
Es gab in der Folgezeit einen außerordentlich
starken Andrang auf die Loge, so dass es noch im selben Jahr etwa
100 Anwärter auf eine Mitgliedschaft gab. Das ist einer der Gründe, weshalb sich
unsere Loge von den drei Adlern abspaltete. Das früheste
Dokument, welches auf unsere Loge verweist, stammt vom 2. Juli
des Jahres 1741. An diesem Tag versammelten sich die Brüder
der Loge zu den drei Schwänen (Aux trois Cygnes) und die der
Schwerterloge, um gemeinsam das Johannisfest zu begehen. Das
Protokoll von der Stiftung der Loge zu den drei Schwänen ist das älteste
freimaurerische Dokument im Orient von Dresden. Aus
späteren Quellen wissen wir, dass unsere Loge von ihrer Gründung
an, im Jahr 1738, bis zum Jahr 1762 den französischen
Namen Aux trois Glaives d'or (Zu den drei goldenen
Schwertern) trug. Diese Zeit wird als die französische Periode
bezeichnet. Die
bedeutendsten Hinweise zur Gründung finden wir laut Br.
A. Peuckert (1883) im Logenverzeichnis von Polick, welches das
Gründungsjahr auf 1738 benennt. Eine
weit größere Bedeutung misst er einer Mitteilung aus dem
Jahre 1760 zu. Unsere Loge
hatte demnach ihre Arbeit nach vollständiger Unterbrechung von 1749 bis
1759 wieder aufgenommen. Br. von Wurmb, der neu gewählte
Sekretär der Loge, verlor in der Einleitung des ersten neuen
Protokollbuches ein paar Worte zum Alter unserer Bauhütte. Der Bericht
lautet in wörtlicher Übersetzung:
"Es war im Jahre 1738, als Br. Graf von Rutowski, der Begründer des
Freimaurerbundes in Dresden wurde. Er stiftete die Loge Aux trois Aigles und nahm beim ersten mal 5 Brüder auf. Der Andrang Maurer zu werden, wurde so bedeutend, dass sich in
diesem Jahre mehr als 100 Personen präsentierten, um aufgenommen zu werden. Im Einverständnis
mit den Brüdern formierte man darum die Loge Aux
trois Glaives ä'or. "
Dies ist der historiche Nachweis, nach dem
wir uns als die zweitälteste, noch arbeitende Loge
von Deutschland bezeichnen dürfen.
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